Wladimir Simonov

Wert 1914 - Denkfehler sind teuer

3 Beiträge in diesem Thema

Gestern hat in einer FB-Gruppe ein „Investor“ empfohlen, den Wert 1914 (irgendein Jahr mussten die ja als Basis nehmen!) Eurer Gebäude an den Kaufpreis anzupassen. Leider ist es gefährlicher Schwachsinn, denn die Versicherungssumme ist der vielleicht wichtigste Punkt einer Gebäudeversicherung überhaupt. Man sollte also ein wenig Zeit in richtige Wertermittlung stecken, weil dies im Schadensfall mit am meisten Ärgerpotenzial bietet. Dazu gibt's unterschiedliche Ansätze der jeweiligen Versicherer, zB:

- Angabe des Neubauwerts im Jahr X (akzeptieren die meisten Versicherer in den meisten Tarifen, allerdings meistens schwer zu recherchieren bzw zu validieren außerdem sind etwaige Eigenleistungen oder „Privatarbeiten“ schwer zu beziffern)

- Ermittlung gemäß 1914er Wertermittlungsbogen (akzeptieren fast alle Versicherer in den meisten Tarifen, Beispiel siehe unten) 

- Angabe der Quadratmeter Wohnfläche (akzeptieren wenige Versicherer bzw Tarife)

Ziel der Wertermittlung ist die Gewährung des sogenannten Unterversicherungsverzichts. Ist dieser nämlich vereinbart, schuldet die Versicherung Euch bei Totalschaden (zwar recht ungern aber unumgänglich) den Wiederaufbau genauso wie das Haus vor dem Schaden war - auch über die Versicherungssumme (Wert 1914 x aktueller Baupreisindex : 100) oder den Kaufpreis hinaus. Btw wissen das selbst die meisten Versicherungsvermittler nicht: Kohle gibt's bei Wohngebäudeversicherung eigentlich niemals nie bar auf Kralle (auch nicht netto abzgl USt!!) sondern nur die Leistung in Naturalien = neue Hütte.

Spielen wir alles also mal durch:

Du findest und kaufst ein Doppelhaus mit 300qm Wohnfläche, mittlere Ausstattung. Weil Du gut verhandelt hast oder die Hütte am Arsch der Welt steht, hast Du dafür nur 150.000e bezahlt. Nun schaust Du Dir die Gebäudeversicherung des Vor-Eigentümers an und siehst: „Boah ey, der hat ja ganze 30.000 Mark Wert 1914 versichert!!! Das sind gemäß Umrechnungsfaktor 2017 (13,583 pro Mark) ja über 400.000EYR!!!! Voll krass 2much, der Vertreter hat den Honk ja megamäßig abgezogen und sich vom zu viel bezahlten Beitrag mindestens 1 flye Yacht gegönnt!!1!“ Im Anschluss reduzierst Du den Wert 1914 aus Spargründen vong Intilengenz her und weil irgendein Kerl auf FB es so sagte auf 15.000 Mark, denn das reicht ja immer noch dicke bei nur 150k Kaufpreis inkl Grundstück. 

3 Wochen später kommt alles wie es kommen musste, es schlägt der Blitz ein und das Ding brennt nieder. Die Versicherung prüft genüßlich, ob die Versicherungssumme nach einer anerkannten Ermittlungsmethode (siehe oben) berechnet wurde und ob Unterversicherungsverzicht besteht. Dies ist natürlich nicht der Fall, also wird großzügig gekürzt. Ok, sagst Du - richtiger Wert 1914 wäre ja 30.000 Mark also 400.000e und die Hälfte davon sind 200.000e also gebt mir bitte die Kohle und ich hab nicht nur Geld gespart sondern auch noch Gewinn gemacht. Nun, wie schon oben angemerkt: Kohle gibt’s nicht Cash sondern nur bei Wiederaufbau. Also gehst Du los und fragst rum was es kostet Dein Doppelhaus mit 300qm neu zu bauen. Alle Baufirmen erklären, dass es mindestens 2.000e pro qm kostet - eher sogar mehr. Also 600.000e. Nun musst 400.000e ausgeben, um 200.000e von der Versicherung zu bekommen. Du bist traurig, weil Du jetzt insolvent bist. 

Schlau gesparte 200-300e jährlich, Gratulation 😉

PS: Der Vollständigkeit halber - ja, es gibt einige wenige Tarife (mir sind aktuell im privaten Bereich deutschlandweit nur 2 bekannt), die zum Einen Unterversicherungsverzicht pauschal bis zur Versicherungssumme und zum Anderen Neuwerterstattung auch wenn kein Wiederaufbau erfolgt bieten. Diese beiden Klauseln brauchst Du in Kombination.

Fazit: Es ist weder auf den 1. noch auf den 2. Blick erkennbar ob der Wert 1914 in der Police stimmt. Erfahrungsgemäß stimmt dieser nur in ganz seltenen Fällen. Also schaut bei einem neuen Objekt IMMER, dass der jeweilige Vertreter oder Euer Versicherungsmakler eine neue Wertermittlung gemäß Vorgaben der jeweiligen Versicherung (da gibt’s ebenfalls etwaige Stolperfallen je Tarif/Objekt!) durchführt.

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Danke für deinen Content.

Zur Zeit Frage ich mich eh immer wieder wie mein Versicherungsfachmann den Wert berechnet. Bei meiner selbst bewohnten Immobilie hat er sogar für die Berechnung einen Gutachter geschickt. Bei den Mietobjekten wurden mir jetzt schon des öftere "Plus" Policen angeboten. Ich versuche zwar auch immer die Prämie relativ günstig zu halten habe aber schon bei 2 MFH die "Plus" Police mit Mehrleistungen gebucht. Ob die Entscheidung richtig ist denke ich entscheidet sich erst im Schadensfall. Ausserdem bevorzuge ich es alles bei einem Versicherer zu belassen, und fühle mich gut damit. 

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Bitte sehr! Wenn „Dein“ Versicherer passende Tarife hat, dann spricht nichts dagegen :-)

Als Vermieter würde ich IMMER den allerbesten Schutz, der preislich noch im Rahmen ist, wählen. Den Beitrag kannst auf den Mieter umlegen, den nicht-versicherten Schaden hingegen...

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