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Thorsten Beckers

Tipp: Offenbarungspflicht des Verkäufers einer Immobilie in Bezug auf (Bambus-) Wurzeln

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Hier eine wortwörtlich "merk-würdige" Geschichte als Tipp für den Immobilien-Ankauf:

Der Riesenbambus Dendrocalamus giganteus wächst in den ersten drei Jahren selten mehr als ein Millimeter pro Jahr, nur um dann im vierten Jahr mit einem Wachstum von bis zu 70 cm pro Tag zuzulegen. Während der „Wachstums-Vorbereitungsphase“ hat diese hartnäckige Bambus-Art ein unterirdisches Geflecht von mehreren Quadratmetern geschaffen. Auch Alex Fischer spricht dieses Gewächs in seinem Buch als Metapher an (Reicher als die XXXXXX, Teil 1, Kapitel 12: Über Zeitverschwendung, Geduld und unnötigen Stress). Der Gedanke in diesem "Motivations-Buch" ist, dass Menschen ihr Business langfristig betrachten und vorbereiten sollten, Geduld beweisen müssen und zunächst viel Zeit in die (Wurzel-) Bildung investieren müssen, bevor ein exponentielles Wachstum erfolgen kann…

Ich habe dieses anschauliche Bambus-Beispiel noch einmal herausgesucht, um Investoren für versteckte und arglistig verschwiegene Mängel zu sensibilisieren: Verschweigt nämlich ein privater Hausverkäufer arglistig wichtige Mängel von Haus und Grundstück, haftet er auf Schadenersatz. Ein vertraglicher Gewährleistungsausschluss nutzt dem Verkäufer einer Immobilie in diesem Fall nichts. Es gibt Fälle, bei denen Bambuswurzeln das komplette Grundstück durchsetzt und bereits das eigene Haus und zwei Nachbarhäuser beschädigt hatten. Die etwa 10 Meter langen Wurzeln mussten dann mit einem Bagger entfernt werden. Einen solchen Zustand muss der Verkäufer beim Hausverkauf mitteilen. Verschweigt er ihn, kann dies dem privaten Hausverkäufer unter Umständen als arglistige Täuschung ausgelegt werden...

In dem hier zu entscheidenden Fall fand die Besichtigung im Winter statt, im Garten sah man zunächst nichts Ungewöhnliches. Später stellte sich jedoch heraus, dass das Grundstück komplett mit Bambuswurzeln durchsetzt war. Die vorherigen Eigentümer hatten die Pflanzen bereits vor Jahren entfernt und neue Triebe einfach beim Rasenmähen mit abgemäht. Der Bambus lebte jedoch unter der Oberfläche weiter. Er sprengte die Terrasse, drängte sich in Fugen und drang in die Isolierung ein. Und das nicht nur beim eigentlichen Kaufobjekt, sondern auch bei zwei Nachbarhäusern.

Tipp: Ich habe diese Bambuspflanzen sogar schon hier in Frankfurt am Main in gepflegten Vorgärten entdeckt. Solltet ihr ein solches Objekt besichtigen, denkt immer auch an ein „strategisches Geschichtenerzählen im Business (Storytheater-Methode)“: Das direkte oder indirekte „Herunterpreisen“ der Immobilie beim Einkauf kann dabei der höchste Stundenlohn eures Lebens sein (wie Thomas und sein Team in einer der Podcast-Folgen richtigerweise erzählen). In diesen und ähnlichen Fällen kann man ruhig mal aus einer Mücke einen Elefanten machen, auf die gigantische Wurzelbildung und auf den Schadensersatzanspruch verweisen, den ein Verkäufer, selbst bei vertraglichem Gewährleistungsausschluss, noch Jahre nach dem Eigentumsübergang der Immobilie zu tragen hat (…). Ihr hingegen bietet daher "großzügig" an, den Haftungsausschluss des Verkäufers für den Bambus und die "katastrophalen Folgen" ausdrücklich schriftlich in eurem Angebot festzuhalten (natürlich gegen Kaufpreisminderung). Erzählt diese Bambus-Geschichte und weitet sie daher vielleicht auch auf andere Bäume in seinem Garten und deren zerstörerische Wurzelbildung im Hinblick auf die Rohrleitungssysteme im Boden aus. Viel Erfolg!

Wer vertiefend einen Blick auf eine Bambus-Entscheidung werfen möchte (OLG Düsseldorf · Urteil vom 29. April 2014 · Az. I-21 U 82/13), kann dies beispielsweise hier machen:

https://openjur.de/u/688209.html

Edited by Thorsten Beckers

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