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Arnd Uftring

800 Mio. Quadratmeter werden zu Sondermüll

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Leider haben auch viele Architekten in dem Bereich nur gefährliches Halbwissen oder völlig gegensätzliche Meinungen. Deswegen hab ich mich entschlossen auch mal was zum Thema Diffusion/WDVS/Dämmung zu schreiben :-)

Zunächst einmal ist die atmende Fassade ein Mythos. Heute weiss man, dass Diffusion nur im Bereich von 2-4% über das Mauerwerk bzw Fassade stattfindet.

D.h. Luftaustausch findet hauptsächlich über Fenster und Türen statt. Polystyrol lässt durchaus Diffusion zu.

Die Wasserdampfdiffusionswiederstandszahl von Expandiertem Polystyrol-Hartschaum (EPS, Styropor) liegt bei ca 60. Zum Vergleich, Holzfaserdämmplatten haben einen Wert von 10, Vollziegel 16, Beton mit mittlerer Dichte einen von 100 und Konstruktionsholz auch von ca 60. Desto kleiner die Wasserdampfdiffusionswiederstandszahl ist, desto mehr Diffusion ist möglich.

Wegen der hohen Wasserdampfdiffusionswiederstandszahl und der hohen Wärmeleitfähigkeit von Beton, werden so viele neugebauten Mehrfamilienhäuser aus Betonfertigteilen mit WDVS versehen. Ist bei vielen Bauträgern Standard. 

In den Achtzigern wurden Fassaden gerne mit einem sog. Elastik-Anstrich versehen, dieser war leicht elastisch und hatte dadurch sehr gute rissüberbrückende Eigenschaften. Leider kam bei den alten Elastik anstrichen die Diffusion zum erliegen. Auch Latexanstrichen waren früher nicht diffusionsoffen. Deswegen ist davon auszugehen, dass sehr sehr viele Häuser in DE garkein oder kaum noch Diffusion zulassen. 

Früher bei den alten Fenstern zog es immer etwas leicht durch. Auch das neue Kunstofffenster in den 80/90ger mit 1,2-3 Kammern hatte sich nach ein paar Jahren leicht gesetzt und schon war wieder min. Luftaustausch da. Heute haben die Fenster nach EnEV 5-7 Kammern, da zieht garnichts mehr.

Schimmel entsteht heute meistens, weil einige Mieter wenig oder garnicht mehr Lüften um Energiekosten zu sparen. Das ist zu ca 90% der Fall, 10% sind Risse in der Fassade, oder andere undichte Stellen am Haus(zb Dach). Das ist ein Phänomen was erst in den letzten 8-10 Jahren mit den gestiegen Energiekosten aufgetreten ist.

Häuser die 50,60,70 Jahre in Ordnung waren haben zum Teil Probleme mit Schimmel, da durch das kurze aufheizen in Verbindung mit entstehender Feuchtigkeit(Kochen,Duschen), Kondensation an Kältebrücken begünstigt wird. Einige Bauteile werden einfach nicht so schnell warm. In solchen Fällen macht Dämmen schon Sinn, wie hier auch schon einige Vorredner geschrieben haben. Vllt sollte man als Immobileninvestor, der eine Immobilie langfristig halten will, einfach etwas mehr Geld in die Hand nehmen und z.B. mit Mineralwolle oder Holzfaserdämmplatten dämmen.

Leider ist es wahr, dass einige WDVS Systeme nach 8-12 Jahren Mängel und Schäden haben. Die gibt es bei mir im Raum auch, bei der städtischen GmbH für Bauen und Wohnen. Dort hinterfragt man momentan die Praxis, immer den billigsten Handwerker zu nehmen, der die arbeiten dann durch unqualifizierte Osteuropäische Subs  ausführen lässt. Leider wurden die arbeiten nicht fachgerecht ausgeführt, was letztendlich zu den aktuellen Schäden(Kältebrücken,Hinterfeuchtung) geführt hat.

Es gibt aber auch knapp 40 Jahre alte WDVS Systeme, die in einem tadellosen Zustand sind und die auch noch weitere 40 Jahre problemlos halten werden.

Mit der Entsorgung der alten WDVS Systeme vor 2013 mit dem Brandschutzmittel HBCD werden sicher einige Entsorgen ein gutes Geschäft machen, aber das stellt aktuell kein Problem mehr da. 

"Diesem Zerstörungsgebot wird bei Entsorgung HBCD-haltiger Abfälle mittels thermischer Behandlung genüge getan. Bei der Verbrennung der HBCD-haltigen Dämmstoffe wird die entstehende Wärme genutzt (energetische Verwertung). Dabei wird das HBCD vollständig zerstört und das enthaltene Brom als Salz in der Abgasreinigung aufgefangen. Mit diesen salzhaltigen Rückständen der Abgasreinigung werden in der Regel Hohlräume im Untergrund aus dem Abbau von Salzgestein verfüllt. Damit kommt es beim Durchlaufen der einzelnen Entsorgungsstufen (Abbruch, Transport und thermische Behandlung) von HBCD-haltigen Dämmplatten unter Einhaltung der arbeitsschutzrechtlichen Bestimmungen zu keinem Gesundheitsrisiko." Quelle: http://www.umweltbundesamt.de/service/uba-fragen/wie-werden-hbcd-haltige-daemmstoffe-entsorgt

 

Ich habe bei mir in der Region noch nicht erlebt, dass ein WDVS System komplett entsorgt werden musste. Die nicht fachgerechte Ausführung konnte in den mir bekannten Fällen immer repariert werden. Wenn jemand aus der Community da andere Erfahrungen hat, würden die mich sehr interessieren.

 

Ich kenne einige Investoren, die mit der energetischen Sanierung Dach, Fenster, Fassade ein prima Geschäft gemacht haben und heute noch sehr glücklich damit sind. Die Mieter haben weniger Nebenkosten, ein schön modernisiertes Haus und der Vermieter freut sich wegen der Umlage von 11% auf die NKM.

Leider geht die Rechnung heute wegen den gestiegenen Rohstoffkosten und den gefallenen oder stagnierenden Energiekosten nicht mehr so schön auf.

Das Thema kann sicher kontrovers diskutiert werden, aber man sollte alle Fakten auf den Tisch legen und sich nicht von der einen oder anderen Lobby Gruppe beeinflussen lassen ;-)

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Die Entsorgungsproblematik wurde zwischenzeitlich durch eine Übergangsregelung etwas entschärft, nicht jedoch nennenswert. Polystyrol kommt bei mir ausschließlich als Estrich-Dämmung zum Einsatz, an die Fassade oder unters Dach würde ich mir so was auf keinen Fall klatschen.

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