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Ensco

Bieterverfahren ohne Mindestgebot

8 Beiträge in diesem Thema

Hallo allerseits, hier die Story zu meinem ersten Verkauf, gleich mit Bieterverfahren probiert. Ging erst einmal total daneben. So lief es:

1-Zimmer-Wohnung München, Schwabing-West, 28,33 qm. Ruhige Lage, Mietvertrag gekündigt – große Firma als Mieterin, die eigene Praktikanten unterbrachte. Leer Ende Mai 2018. Verkaufsaktivitäten August bis Oktober 2017: Bieterverfahren. Klang in der Literatur toll; eine Möglichkeit, attraktive Gebote zu erhalten. Nach 11 Jahren Halten ist jetzt die Zeit gekommen; der Münchener Markt läuft ja gerade etwas heiß.

Es kamen zu den beiden Besichtigungsterminen auch eine Menge Leute: 8 Wochen vorher über Ohne-Makler.net angekündigt, auf diesem Wege in den großen Portalen drin. Mehr als 10 Leute beim einen Termin und ebenso beim anderen. Die Spannung steigt - Bietzeit ca. 10 Tage. Die ersten Gebote: Naja. 30 bis 40% unter Marktwert. Einzelne hatten überhaupt keine Vorstellung; zwei Gebote 60 bis 90% unter Marktwert. Höchstgebot 205.000,- € schriftlich, mit Bankbestätigung (eine Architektin). Klar, das ist schon einiges, aber ähnliche Objekte gehen auch für 250.000 € plus Maklerprovision. Ein Interessent hatte nicht besichtigt, bot telefonisch aber 250.000. Nach einigen Tagen zog er wieder zurück. Vergiss es also, dieses Verfahren!

Was tun?

Da erschien ein weiteres Bieterverfahren einer ähnlichen Wohnung ein paar Straßen weiter. Text im Wesentlichen von meinem kopiert - nur ein Mindestgebot ausgesprochen; qm-Preis ca. 10.000 € (so sind die Preise eben momentan bei sehr guten Objekten, finde ich auch überzogen - ich kaufe da, wo ich wohne, für unter 1.000). Ich rufe an und unterhalte mich nett mit dem Mann - ein Profi, Marketing-Prof an einer FH. Entscheidung: Ich inseriere also für 254.000 €. Mehr gibt die Wohnung nicht her; etwas weniger wird es von selber - wenn jemand unbedingt unter 250.000 will - psychologische Marke - dann halt für 247.000. Jetzt also ohne Bieterverfahren, aber die Leute brauchen offensichtlich eine klare Ansage.

Weitere Besichtigungen Anfang Dezember mit 6 Leuten, diesmal einer nach dem anderen. Gruppenbesichtigungen sind irgendwie doch doof. Meine Tochter, 20 Jahre damals, hat das für mich gemacht, ich bekam positives Feedback von mehreren Interessenten und -innen - hat auch was, weiblicher Charme, Lernerfahrung für sie, mein Vater mit dabei als Assistent. Einige Interessenten, einer bot auch 248.000, zog dann aber nach einigen Tagen zurück. Die anderen boten weniger oder waren sich noch nicht sicher. Hmmm – auch irgendwas falsch gelaufen?

Weihnachten rückte näher, und ich dachte – nun, das war’s, wir verkaufen dann halt erst ab Juni, wenn die Mieter raus sind. Misserfolg also in mehrerer Hinsicht. Einziges Trostpflaster: Ich sah das Vorhaben als Lernerfahrung an, und so lernt man eben. Nie mehr Bieterverfahren ohne Mindestgebot auf einem Verkäufermarkt! Hier brauchen Käufer einen Anker, sonst denken sie, es geht hier um Schnäppchenjagd.

                        * * *

Dann doch noch eine Überraschung: ca. eine Woche vor Weihnachten meldet sich ein junger Mann, der gerne besichtigen möchte. Die Wohnung ist gerade frei, und mein Vater kann kurzfristig einen Termin einrichten. Der Mann besichtigt mit Mutter und ruft mich gleich danach an – er sei „begeistert“! Na, das klingt doch einmal gut. Und er wolle kaufen. Okay, gerne. Er müsse das nur mit seiner Mutter noch weiter besprechen. Ich biete an, dass wir eine Reservierungsvereinbarung schließen – 750 €, viel mehr geht m.W. nicht, und 1000 € klingt auch viel. Dafür kann ich auch zwei Wochen auf Verkaufsaktivitäten verzichten.

Tatsächlich treffen wir uns dann am 2. Weihnachtsfeiertag am Ort, schließen die Vereinbarung, auf Verhandeln des Kaufpreises lasse ich mich nicht ein (habe ich im Buch von Tim Taxis gelernt), biete aber an, die Notarkosten zu übernehmen; das sind etwa 1500 €; wichtig: den Kaufpreis nicht relativieren. Zwei Wochen für die Finanzierung. Sie brauchten dann tatsächlich etwa vier Wochen – kein Problem. Allerdings bekundete der junge Mann dann in einem Telefonat, dass sie wahrscheinlich doch eine größere Wohnung nehmen, da sie ein eigenes Haus belasten und mehr Spielraum haben. Es scheint also wieder alles vergeblich gewesen zu sein, außer dass 750 € Reservierungsgebühr bei mir verbleiben. Nun ja.

                        * * *

Noch einmal zwei oder drei Wochen später melden sich die Leute wieder und verkünden: Sie nehmen die Wohnung doch. Nun, gerne – ich hätte sowieso erst wieder im Juni weiter daran gearbeitet. Ich bin zwar ein kleines bisschen skeptisch, ob es wirklich noch klappt, aber ich kann ja eigentlich nichts verlieren. Inzwischen ist es Anfang Februar; wir machen einen Notartermin Ende März aus. Tatsächlich findet dieser statt; die Fälligkeit kommt superschnell, und dann trudelt auch die Zahlung ein.

Es hätte natürlich ganz anders kommen können: Dann hätte ich es über den Sommer wieder versucht und tatsächlich ein volles Jahr mit dem Verkauf dieser winzigen Wohnung verbracht. Es reicht also ein halbes Jahr oder weniger nur, wenn der Preis einigermaßen attraktiv ist… Für die Makler unter uns ist die Story hier wahrscheinlich gar keine richtige Story; für sie ist das täglich Brot. Wer aber zum ersten Mal verkauft, und zwar selbst, für den ist das schon eine spannende Angelegenheit, zumal ich keine Konzessionen machen wollte. Einige Makler haben mich immer wieder kontaktiert, ob sie mich jetzt doch unterstützen dürfen, aber doch bitte mit 20 bis 30T niedrigerem Preis. Hätte auch vollends schiefgehen können bzw. man braucht offensichtlich viel Geduld und Akzeptanz zumindest für temporäre Misserfolge – das rechtfertigt dann am Ende den Gewinn.

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Super Story. Geduld zahlt sich aus. Wenn man schnell verkaufen kann, dann verkauft man zu billig.

Herzlichen Glückwünsche

München ist krass. Für den Betrag bekommst du ein MFH in anderen Regionen.

Was wäre die maximale Miete für die Wohnung gewesen?

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12 hours ago, Ensco said:

dann halt für 247.000.

Verrückte Preise, tatsächlich, für eine winzige ETW.

Schneller kann man sein Geld nicht verbrennen imo.

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vor 16 Stunden schrieb Ensco:

Es scheint also wieder alles vergeblich gewesen zu sein, außer dass 750 € Reservierungsgebühr bei mir verbleiben. Nun ja.

Tipp für das nächste Mal

Solche Reservierungsvereinbarungen sind nur gültig, wenn sie wie der spätere Hauptvertrag notariell beurkundet worden sind - ohne Beurkundung könnte der Interessent hier die Reservierungsgebühr zurück fordern.

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vor 11 Stunden schrieb rajivlund:

Super Story. Geduld zahlt sich aus. Wenn man schnell verkaufen kann, dann verkauft man zu billig.

Herzlichen Glückwünsche

München ist krass. Für den Betrag bekommst du ein MFH in anderen Regionen.

Was wäre die maximale Miete für die Wohnung gewesen?

 Danke!  Tatsächliche Miete war 405 € pro Monat. Also Faktor 50.

Mögliche Miete wohl etwa 500 €. Möbliert bis zu 800.  ist also alles nicht mehr sinnvoll. Daher auch der Verkauf. Klar, die Preise können weiter steigen. Aber bei einem Gewinn von über 250 % gegenüber Einkauf reicht das auch. 

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vor 4 Stunden schrieb Arnd Uftring:

Tipp für das nächste Mal

Solche Reservierungsvereinbarungen sind nur gültig, wenn sie wie der spätere Hauptvertrag notariell beurkundet worden sind - ohne Beurkundung könnte der Interessent hier die Reservierungsgebühr zurück fordern.

Interessant! Mir ging es eigentlich mehr um die psychologische Wirkung.

Und hier fühlte ich mich ermutigt, Es zumindest mit einem kleinen Betrag zu probieren:

 https://www.immobilienscout24.de/ratgeber/nebenkosten/provision/reservierungsgebuehr.html

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psychologisch ist der Interessent durch eine Reservierungsvereinbarung auf jeden Fall fester an der Angel als wenn es nur um mündliche Absprachen geht.

Kommt der Kauf dann nicht zustande kann man sich immer noch um die Reservierungsgebühr streiten bzw. diese wenn es nachvollziehbare Gründe für den Rücktritt vom Kauf gibt auch erstatten o.ä.

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Verkauf gerade nach und nach einige EW aus meinen Anfangszeiten nach 10J Halten. Eine Zusicherung/Vertriebspause gibt es bei mir ebenfalls nur gegen Bares.

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