DennyN60

Experten für Erbschaftsrecht gefragt: Schenkung oder Kaufvertrag

20 Beiträge in diesem Thema

Hallo liebe Community,

ich stehe aktuell vor dem Kauf meiner ersten Immobilie und habe dazu eine wichtige steuerrechtliche Frage. Ich hoffe, dass Ihr mir dabei helfen könnt.

Die Ausgangslage: Meine Oma besitzt ein Grundstück im Speckgürtel von Berlin (1000m² Grundstück, Bodenrichtwert 110€/m²) mit altem Holzhaus darauf (1927 gebaut), in dem sie aktuell wohnt. Meine Oma wird im Februar 2017 75 Jahre alt und möchte ihren Lebensabend gerne an einem Grundstück am Wasser verbringen. Eine entsprechende Mietswohnung ist bereits gefunden. Ich möchte gerne das Grundstück von meiner Oma übernehmen. 

Für das Grundstück zahle ich meiner Oma einen Betrag X,mit einem monatlichen Betrag im mittleren dreistelligen Bereich.

Meine Idee: Um Grunderwerbsteuer zu sparen, hatte ich überlegt die Abwicklung des Grundstückkaufvertrages über eine Schenkung abwickeln. Durch unser Verwandtschaftsverhältnis (Großmutter <-> Enkel) kann ich einen Freibetrag von 200.000 in Anspruch nehmen und muss somit keine Steuern zahlen. 

Das Problem: Meine Oma hat zwei Kinder: Meine Mutter (welche an dem Grundstück kein Interesse hat - auch nicht als Erbe) und mein Onkel (seit Jahren zerstritten und kein Kontakt). Meine Befürchtung ist, dass (wenn meiner Oma etwas innnerhalb der nächsten 10 Jahre passieren sollte,) mein Onkel Ansprüche auf das Grundstück geltend machen wird. In diesem Zusammenhang habe ich etwas von "Pflichtteilsergänzungsanspruch" gelesen.

Meine Fragen:

1.Zur Schenkung:

Was muss ich im Falle einer Schenkung beachten? Welche Ansprüche kann mein Onkel ggf. geltend machen? Sind diese Ansprüche nach +10 Jahren nicht mehr gültig und verjährt?

2.Zum Kaufvertrag:

Wäre es sinnvoll, stattdessen einen Kaufvertrag über 1 € aufzusetzen? Ist ein Kaufvertrag in dieser Gestaltung durch meinen Onkel anfechtbar, da er nicht dem Wert der Immobilie entspricht?

Wenn es Experten und oder Meinungen zu diesem Thema gibt, freue ich mich sehr über eure Hilfe und Anregungen zum Thema!

Danke.  

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Ohne Gewähr, bitte unbedingt einen Steuerberater kontaktieren!

 

1. grundsätzlich ist dein Onkel pflichtteilsberechtigt. 10 Jahre nach der Schenkung geht er aber leer aus und kann keine Ansprüche geltend machen. Sind es bspw. nur 6, hat er Anspruch auf 4/10 der Schenkung. Die 10 Jahresfrist gilt nicht bei Ehegatten, trifft aber hier ja nicht zu. 

2. In diesem Fall handelt es sich um eine gemischte Schenkung. Du kaufst etwas zu einem Preis, der überhaupt nicht dem Wert entspricht. Wenn die 10 Jahre nicht vorbei sind, muss dein Onkel beweisen, dass es sich um eine Schenkung handelt. Wird nicht schwer, Faustformel <80% des tatsächlichen Wertes = Schenkung. Auch hier dann bspw. nach 5 Jahren, Anspruch auf 5/10.

Um die 10 Jahre wirst du also nicht drumherum kommen  

WICHTIG: 

"Wenn ein Schenkungsvertrag geschlossen wird, der nur nach außen hin einen Vermögensübergang bedeutet, dem Erblasser aber letztlich alle Möglichkeiten zur Nutzung der Sache belässt, läuft auch die 10-Jahres-Frist nicht. Dann können Pflichtteilsberechtigte Schenkungen, die 10 Jahre vor dem Tode oder noch früher ausgeführt worden sind, ignorieren und können die verschenkten Vermögensgegenstände dem Nachlass hinzurechnen."

bearbeitet von chrisbre
  • Like 1

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Das mit den 10 Jahren und der linearen Verringerung um 10%/Jahr habe ich auch i-wo gelesen.

Würde sich der Anspruch nochmal um 50% reduzieren, da ja auch meine Mutter in der Erbfolge mit meinem Onkel gleichzusetzen ist? 

Der letzte Aspekt ist interessant. Würde das bedeuten, dass wenn ich meiner Oma ein lebenslanges Wohnrecht einräumen würde, dass dadurch der Pflichtteilsanspruch meines Onkels entfällt? Auch wenn meine Oma dann einen anderen Wohnsitz anmeldet? 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Im Prinzip haben deine Mutter und dein Onkel jeweils 50% Anspruch auf die Pflichtteilsergänzung innerhalb von 10 Jahren nach der Schenkung. Wenn deine Mutter darauf verzichtet, hat dein Onkel nach 5 Jahren bspw. Anspruch auf 25%. 

Also ich interpretiere das genau andersherum. Wenn deine Oma das Haus noch nutzen kann, gilt die 10 Jahresfrist nicht. D.h. dein Onkel kann auch noch nach 20 Jahren seinen Pflichtteilergänzungsanspruch durchsetzen.

Das musst du aber aufjedenfall mit einem Fachanwalt für Ebrecht oder einem StB besprechen.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Wieso kaufst du das Grundstück nciht einfach ab?

1000 x 110 = 110.000

Dann kauf es ihr doch für die Häfte ab und du sparst die Hälfte der Grundsteuer.. Nicht machbar?

 

Ich kenne das mit diesen Streiterein.. Sowohl auf väterlicher Seite, als auch auf mütterlicher Seite.. Gehe nicht das Risiko ein nachher doch vom Onkel abhängig zu sein..

 

Hol dir unbedingt Spezialistenrat !

 

@Arnd Uftring hast du da Ansätze für?

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
vor 1 Minute schrieb Arnd Uftring:

Ja!

Ab zum Fachmann / zur Fachfrau - das ist zwar kostenpflichtig, mit Stempel und Unterschrift allerdings auch rechtsverbindlich!

Das ahtten wir bereits geklärt xD

Aber eher "Fachanwalt für Ebrecht" oder erstmal nur einem "StB" besprechen?

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
vor 9 Minuten schrieb Ray:

Aber eher "Fachanwalt für Ebrecht" oder erstmal nur einem "StB" besprechen?

Beide!

Den einen für die rechtliche Einordnung, den anderen für die steuerliche Gestaltung!

  • Like 2

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
vor 7 Minuten schrieb Akkarin:

Wobei die Kinder doch keinen Anpruch auf das "Grundstück" haben, sondern einen Anspruch auf das "Erbe". 

Das kann identisch sein, muss es aber nicht.  

Kann die Oma sowas generell nicht ausschließen, wenn sie nicht möchte, dass eines der Kinder etwas bekommt (aus welchem Gründen auch immer)?

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Kurzfassung : Nein geht grundsätzlich nicht.

Ausnahme : Kinder kann der Erblasser zum Beispiel nach einem gescheiterem Mordanschlag enterben.

Warum er das im Erfolgsfall nicht kann, sollte klar sein. 

Nachzulesen in § 2303 BGB Pflichtteilsberechtigte; Höhe des Pflichtteils  1) Ist ein Abkömmling des Erblassers durch Verfügung von Todes wegen von der Erbfolge ausgeschlossen, so kann er von dem Erben den Pflichtteil verlangen. Der Pflichtteil besteht in der Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils.

und den Mord unter 

§ 2339 Gründe für Erbunwürdigkeit

(1) Erbunwürdig ist:
1.
wer den Erblasser vorsätzlich und widerrechtlich getötet oder zu töten versucht oder in einen Zustand versetzt hat, infolge dessen der Erblasser bis zu seinem Tode unfähig war, eine Verfügung von Todes wegen zu errichten oder aufzuheben,
2.
wer den Erblasser vorsätzlich und widerrechtlich verhindert hat, eine Verfügung von Todes wegen zu errichten oder aufzuheben,
3.
wer den Erblasser durch arglistige Täuschung oder widerrechtlich durch Drohung bestimmt hat, eine Verfügung von Todes wegen zu errichten oder aufzuheben,
4.
wer sich in Ansehung einer Verfügung des Erblassers von Todes wegen einer Straftat nach den §§ 267, 271 bis 274 des Strafgesetzbuchs schuldig gemacht hat.
(2) Die Erbunwürdigkeit tritt in den Fällen des Absatzes 1 Nr. 3, 4 nicht ein, wenn vor dem Eintritt des Erbfalls die Verfügung, zu deren Errichtung der Erblasser bestimmt oder in Ansehung deren die Straftat begangen worden ist, unwirksam geworden ist, oder die Verfügung, zu deren Aufhebung er bestimmt worden ist, unwirksam geworden sein würde.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Am 27.9.2016 um 12:07 schrieb Ray:

Wieso kaufst du das Grundstück nciht einfach ab?

1000 x 110 = 110.000

Dann kauf es ihr doch für die Häfte ab und du sparst die Hälfte der Grundsteuer.. Nicht machbar?

Ich hätte kein Problem damit es auch "offiziell" zu kaufen und dafür ein paar tausend Euro an Grunderwerbsteuer zu zahlen. Aber reicht die Hälfte des Grundstückswerts bereits aus, damit mein Onkel nicht ggf. einen Pflichtteilsergänzungsanspruch geltend machen kann? Warum dann nicht gleich einen Kaufvertrag über 1€? Wo ist die Grenze?

Insofern scheint der Gang zum Fachanwalt für Erbschaftsrecht unausweichlich. Trotzdem danke für den Kommentar.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Am 27.9.2016 um 12:17 schrieb Arnd Uftring:

Ja!

Ab zum Fachmann / zur Fachfrau - das ist zwar kostenpflichtig, mit Stempel und Unterschrift allerdings auch rechtsverbindlich!

Was heißt "rechtsverbindlich" in diesem Zusammenhang? Muss bei "falschen" oder nicht korrekten Aussagen seitens des Fachanwalts dieser hinterher bei Streitigkeiten haften, sofern seine Prognose zur Rechtslage nicht stimmt?

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
vor 14 Stunden schrieb DennyN60:

Was heißt "rechtsverbindlich" in diesem Zusammenhang? Muss bei "falschen" oder nicht korrekten Aussagen seitens des Fachanwalts dieser hinterher bei Streitigkeiten haften, sofern seine Prognose zur Rechtslage nicht stimmt?

Ich bin mir nicht sicher, was Du mit "Streitigkeiten" meinst, im Falle eines durch die Beratung entstehenden Vermögensschadens haftet der Rechtsanwalt und der Steuerberater im Rahmen seiner Vermögensschadenshaftpflichtversicherung.

Und genau hier grenzt sich die professionelle und kostenpflichtige Beratung von der "Prognose" oder "Meinung" in Internetforen ab - es ist eben kein "Gestocher im Nebel" und es gibt jemanden, der für seine Aussagen haftet.

 

  • Like 1

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
vor 23 Stunden schrieb Arnd Uftring:

Ich bin mir nicht sicher, was Du mit "Streitigkeiten" meinst, im Falle eines durch die Beratung entstehenden Vermögensschadens haftet der Rechtsanwalt und der Steuerberater im Rahmen seiner Vermögensschadenshaftpflichtversicherung.

Und genau hier grenzt sich die professionelle und kostenpflichtige Beratung von der "Prognose" oder "Meinung" in Internetforen ab - es ist eben kein "Gestocher im Nebel" und es gibt jemanden, der für seine Aussagen haftet.

 

Bei so einem Forum geht es ja in erster Linie darum sich zu informieren und nicht gleich um weiterzulaufen und genau das, was hier irgendjemand sagt umzusetzen..

 

Am 28.9.2016 um 20:47 schrieb DennyN60:

Ich hätte kein Problem damit es auch "offiziell" zu kaufen und dafür ein paar tausend Euro an Grunderwerbsteuer zu zahlen. Aber reicht die Hälfte des Grundstückswerts bereits aus, damit mein Onkel nicht ggf. einen Pflichtteilsergänzungsanspruch geltend machen kann? Warum dann nicht gleich einen Kaufvertrag über 1€? Wo ist die Grenze?

Insofern scheint der Gang zum Fachanwalt für Erbschaftsrecht unausweichlich. Trotzdem danke für den Kommentar.

Ich denke, es geht hierbei um einen ordentlichen Kauf.. Bei einem Euro wäre ja die Absicht klar..

 

Informiere uns, wie das Ergebnis bei den Fachleuten ausgefallen ist! =)

Viel Erfolg!

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

@Ray, @Arnd Uftring, @Akkarin, @chrisbre

Grüßt euch!

Ich war letzte Woche bei einer Anwältin für Erbschaftsrecht und habe mich beraten lassen. Ziemlich informativ und aufschlussreich, wenngleich ich die wichtigste Entscheidung selbst zu treffen hatte. Alle Punkte hier aufzuschreiben wäre ein Tages-Job.

Deswegen habe ich alle Erkenntnisse in einem Blog Post zusammengefasst: Eine Frage des Erbrechts - Kaufvertrag oder Schenkungsvertrag?

Wenn Ihr dazu Fragen habt, versuche ich hier oder auf dem Blog dazu zu antworten.

Viele Grüße,

Denny

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

@DennyN60 Bitte keine Post zu anderen Blogs.. Dafür haben wir hier das Forum.. Du könntest eine Kurzfassung schreiben oder einfach gar nichts.. Aber Wissen, dass du uns gerne mitteilen möchtest, bitte hier im Forum!

 

Danke :)

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
vor 9 Minuten schrieb Ray:

@DennyN60 Bitte keine Post zu anderen Blogs.. Dafür haben wir hier das Forum.. Du könntest eine Kurzfassung schreiben oder einfach gar nichts.. Aber Wissen, dass du uns gerne mitteilen möchtest, bitte hier im Forum!

 

Danke :)

Das Internet ins Forum zu kopieren, ist aber auch kein valides Vorgehen. 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Guter Artikel aber in einem Punkt habe ich mich wohl missverständlich ausgedrückt, weil der Sprachgebrauch und der Fachgebrauch was anderes meinen. 

Jeder Erblasser kann natürlich Angehörige per Testament enterben, ohne das begründen zu müssen. Der Angehörige ist dann enterbt. Enterbt heißt aber nicht, dass der jenige nichts bekommt. Dummerweise hat er trotzdem Anspruch auf seinen Pflichttei, so dass das sprachlich gemeinte "er ist enterbt und bekommt nichts" , gar nicht erreicht ist. 

Das jemand gar nichts bekommt, selbst den Pflichtteil nicht, geht nur bei Erbunwürdigkeit und damit wären wir zurück beim Mordanschlag.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Hallo an die Community,

mein Fall ist jetzt knapp zwei Jahre her. Am Ende habe ich mich für den Kaufvertrag entschieden. Kostet mich zwar mehr, dafür habe ich langfristig ein geringeres Risiko. Habe dazu auch ein kurzes eBook mit meinen Learnings zum Testament, der Schenkung und dem Kaufvertrag verfasst. Wer möchte, kann es bei Amazon (nur noch bis morgen früh 9 Uhr MEZ) kostenlos herunterladen: https://www.amazon.de/dp/B07H7GMNVP

Hoffentlich kann ich den MItgliedern damit weiterhelfen. Danke nochmal allen für ihre Kommentare.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Erstelle ein Benutzerkonto oder melde dich an, um zu kommentieren

Du musst ein Benutzerkonto haben, um einen Kommentar verfassen zu können

Benutzerkonto erstellen

Neues Benutzerkonto für unsere Community erstellen. Es ist einfach!

Neues Benutzerkonto erstellen

Anmelden

Du hast bereits ein Benutzerkonto? Melde dich hier an.

Jetzt anmelden