Thomas Knedel und Stephan Steup sprechen in der heutigen Folge über:

Verkäuferdarlehen

– eine noch unbekannte Finanzierungsvariante.

In dieser Folge sprechen Stephan Steup und Thomas Knedel über das Verkäuferdarlehen.

In Deutschland noch weitest gehend unbekannt, ist das Verkäuferdarlehen eine interessante Finanzierungsalternative für den Käufer, aber auch eine Anlagealternative für den Verkäufer.

Für welche Situationen Verkäuferdarlehen am besten geeignet sind und was es dabei zu beachten gibt, erfährst Du in unserer heutigen Folge.

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Definition: Pfandtausch

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Ja Thomas, mache ich gerne
Transkript:

Stephan: Hallo und herzlich willkommen. Schön, dass Du wieder dabei bist, hier beim Immopreneur-Podcast. Mein Name ist Stephan Steup und heute mit im Studio ist wieder Thomas Knedel. Hallo Thomas, schön dass Du da bist!

Thomas: Hallo Stephan, sei gegrüßt. Wunderbar, ich bin gespannt was es heute Nettes gibt.

Stephan: Wir haben ja schon häufig über die sogenannten Verkäuferdarlehen gesprochen. Und heute soll es nun wirklich ans Eingemachte gehen. Wir betrachten diese Verkäuferdarlehen genauer, und ich würde sagen, wir fangen wie immer ganz vorne an. Thomas, wo kommt denn das Verkäuferdarlehen überhaupt her? Also, was ist seine Geschichte?

Thomas: Das kommt eigentlich aus dem Bereich Unternehmensverkäufer. Da ist das schon üblich. Das Thema private Immobilien-Deals kennt man bei uns gar nicht. Aber ich war ja  auch länger in den USA, da ist mir eines wieder extrem aufgefallen. Da ist es schon sehr verbreitet. Da ist das völlig üblich, ich hab sogar Straßenschilder gesehen. Seller Finance, das fand ich schon sehr lustig.

Einfach ein Straßengrundstück zu verkaufen und Seller Finance ist gleich mit dabei. Das ist da quasi Standard. Und da weiß auch wirklich jeder Verbraucher, was das ist. Hier weiß ein Verbraucher oft gar nicht, was eine ordentliche Finanzierung ist.

In den USA ist es auch deswegen leider Standard, weil viele Käuferschichten knappe Mittel haben und eigentlich keine Finanzierung bekommen würden, deshalb sind solche Verkäuferfinanzierungen einfach zu einem gewissen Standard geworden.

Stephan: Hat auch wieder Vor- und Nachteile. Ich stelle mir das gerade wie so ein Investor im Schlaraffenland vor. Stell Dir vor, Du würdest irgendwo an einer Immobilie vorbeifahren und da steht schon das Schild drin „Bankdarlehen gleich mitgeliefert, Konditionen zur Verhandlung“.

Von daher, klingt super, aber sind denn die Voraussetzungen und wie baut man sowas am besten auf? Wie strukturiert man das, dass das Ganze eine runde Sache wird?

Thomas: Aus Sicht des Verkäufers sollte natürlich die Immobilie, die ich verkaufe, irgendwo getilgt sein. Jedenfalls weitgehend getilgt sein. Denn sonst hab ich ja erstmal ein Darlehen abzulösen. Das muss ich ja irgendwo her haben, das Geld. Oder ich muss eben sehr vermögend sein, wo es mir dann egal ist.

Aber das gibt es ja auch nicht ganz so oft. Also das ist eine Voraussetzung, dass ich eine schuldenfreie Immobilie habe. Übrigens passiert es sehr oft bei älteren Leuten, ist ja klar, weil sie ihre Immobilie schon länger im Bestand haben. Das ist also durchaus ein guter Weg.

Ja, was muss man dann tun wenn man eine Finanzierung macht? Man muss sich einigen. Und das ist ähnlich wie bei der Bank. Man muss sich über die Höhe der Finanzierung und die Konditionen einigen. Sprich Zinsen, Tilgung, Laufzeit, Versicherung usw. Und das Schöne dabei ist, dass es dabei nicht so kompliziert ist wie bei einer Bank. Ein klassisches Beispiel ist da natürlich das Nachrangdarlehen, dass man dann einen Teil da drauf setzen kann.

Du kannst es auch beliebig mit allem anderen kombinieren, da kann man der Fantasie einfach ein bisschen freien Lauf lassen. Was aber wichtig ist, dass Du die Bank vorne in den ersten Rang nimmst, weil die Bank das natürlich fordert, damit auch die Finanzierung günstig ist. Eine Bank geht sehr ungern in den zweiten Rang.

Und das ist ein ganz wichtiger Punkt. Und deswegen ist die klassische Form: Bank vorne, hinten dran der private Geldgeber, der natürlich damit auch etwas höhere Zinsen verdient. Denn er hat ja auch ein höheres Risiko, wenn er nachrangig drin ist, das ist ja klar.

Stephan: Ich glaube, es ist sogar vorgeschrieben. Also man kommt als Privater ja gar nicht in den ersten Rang rein, selbst wenn keiner davor steht, ist man im Nachrang-Darlehen. Man hat den ersten Rang nur, weil keiner vor einem steht. Bei Banken ist es so, die Bank, die zuerst finanziert, geht in den ersten Rang, danach folgen die anderen Banken, je nachdem wie finanziert wurde.

Und der Private kommt leider erst nach den Banken. Lassen sich Banken ja auch so zusichern, dafür sind es Banken. Aber was sind denn dann jetzt die genauen Vorteile des Verkäuferdarlehens? Ein paar hast Du angesprochen, aber wie sehen die genauer aus und wie gestalten die sich?

Thomas: Du hast einfach keine Bankregularien oder sonstiges. Du kannst privatwirtschaftlich einen Kreditvertrag vereinbaren. Und da kannst Du natürlich frei gestalten. Was theoretisch auch ausschließt, dass gar keine Bank im Spiel ist, was natürlich die ganze Sache noch flexibler machen würde.

Also auch durchaus denkbar. Hat natürlich dann auch nichts mit der Schufa zu tun, kein Eintrag usw. Und in der Niedrigzins-Phase ist das sicherlich spannend. Gerade wenn Leute ihr Haus verkaufen, vielleicht möchten sie das für ihre Rente nutzen, das Geld.

Wo legen die das Geld dann wieder an? Welche Anlagen-Alternativen haben sie? Und warum sollten sie nicht einem Investment vertrauen, das sie schon kennen, nämlich ihr eigenes Haus? Sie können in ihr eigenes Haus investieren, in Darlehensform sozusagen, und das Darlehen absichern über das eigene Haus, das geht. Das ist etwas Vertrautes.

Wenn man das Bankenspiel weiterspielen will, kann man es auch so machen, dass man sagt, erst finanziere ich mit einer klassischen Bank, und finanziere nicht 100 Prozent, sondern nur 80 Prozent. Und die 80 Prozent bekomme ich natürlich A, viel leichter, und B viel günstiger.

Das ist natürlich ziemlich spannend, so kann es sogar so weit kommen, dass man insgesamt einen sogenannten No-Money-Down-Deal (Beispiel USA) bekommt, sprich, Du musst eigentlich kein Geld auf den Tisch legen, um die Immobilie zu kaufen, wenn Du es geschickt machst.

Stephan: Also Du kannst Dir so gesehen das Geld von der Bank nehmen, welches Du vielleicht auch für die Nebenkosten brauchst. Aber die Finanzierung des Verkäufers trägt die Differenz innerhalb des Kaufpreises. Und wenn man das zusammenstrickt, also Bank plus Verkäufer, wäre es insgesamt die sogenannte 120-Prozent-Finanzierung.

Und dann hab ich eben kein eigenes Geld benutzt. Das ist natürlich viel einfacher, als die Bank alleine zu fragen, die dann wieder kommt mit „ja aber wo ist die Besicherung, wir überfinanzieren, weil wir das Niederwert-Prinzip haben“. Alles Sachen, über die wir in den vorherigen Folgen schonmal gesprochen haben.

Ein Vorteil, den Du ja auch soeben erwähnt hast, ist, dass man das rein theoretisch auch komplett ohne diese Bürokratie machen kann, also ohne Bank. Wenn die Immobilie komplett frei ist, das heißt, da ist nichts drauf, dann hat derjenige ja wirklich die Möglichkeit zu sagen, „pass auf, ich mach komplett den Bankendeal“. Ich meine, Banken sind damit reich geworden. Warum sollte das nicht auch ein Privatmann wollen? Leichter gehts ja nicht.

Und wenn Du ihm nicht seine Raten bezahlst, dann bekommt er die Immobilie eben zurück. Da freut er sich wahrscheinlich doppelt, da kann er sie nochmal verkaufen oder so. Von daher, die Vorteile liegen auf der Hand. Warum sollte ich da nicht immer alles gleich nur so finanzieren? Also immer 100 Prozent.

Thomas: Ja, das ist durchaus theoretisch machbar. Es gibt auch Überlegungen, sowas tatsächlich mal systematisch zu machen. Aber das ist eine andere Baustelle. Eines ist ganz klar: es ist natürlich teurer. Das heißt, teurer als ein Bankdarlehen. Weil Du natürlich höhere Zinsen hast, das ist ja klar.

Ein Privater, der Dir Geld leiht, erwartet ja auch was. Da kannst Du nicht sagen, „Du bekommst 0,9 Prozent Zinsen“ oder sonst dergleichen.

Das Zweite ist, dass es in Deutschland einfach unüblich ist. Das ist schon sehr ungewöhnlich, wenn man so etwas macht. Das kommt nicht so oft vor, würde ich sagen. Es ist theoretisch machbar, in der Praxis ist es eher die andere Variante oder eher eine Kombination aus beidem. So würde ich das einschätzen.

Stephan: Also da kann ich Dir auch wieder nur zustimmen. Auch aus den Erfahrungen, die ich gemacht habe, ist das in Deutschland nicht so weit verbreitet. Wir müssen aber ein bisschen Aufklärungsarbeit leisten. Dann sprechen wir doch einfach mal darüber, wie wir es jetzt einem Verkäufer schmackhaft machen können, dass er diese Vorteile sieht, die er haben kann? Was kann ich ihm bieten?

Thomas: Der Verkäufer kennt ja das Investment. Es ist nämlich sein eigenes Haus oder seine eigene Wohnung. Das kann man ihm natürlich schmackhaft machen, das heißt, er muss das nicht prüfen oder sonst dergleichen. Er weiß was er da hat und womit es abgesichert ist.

Man kann ja auch mal über alternative Anlageformen mit dem Verkäufer sprechen. Was gibt es denn ganz Sicheres oder quasi Sicheres, wo er sein Geld anlegen kann? Und welche Zinsen bekommt er damit? Und dann kann man das vergleichen. Es ist sicherlich besser, als wenn ich es irgendwo auf das Tagesgeldkonto lege. Man kann dann vereinbaren, was verlangt wird. Man kann monatliche Zahlungen vereinbaren, es ist ja grundbuchlich abgesichert.

Und es ist natürlich – ganz wichtiger Punkt – für Rentner, ist ja klar. Dass man dann entsprechend vielleicht für fünfzehn, zehn Jahren einen entsprechenden passiven Cashflow in Aussicht hat. Dann weiß man eben, was man so hat. Man kann mit dem dann auch noch deutlicher sprechen, was der Werttreiber für den Verkäufer ist, und wo er eben investiert.

Einfach hinterfragen, was seine Motivationen sind. Und dann versuchen, dazu das passende Konstrukt zu basteln und anzubieten. Es hat sich in der Vergangenheit wirklich gezeigt, dass es Sinn macht, mit den Verkäufern viel zu reden. Nicht nur ein bisschen Smalltalk, sondern wirklich über Substanz zu reden.

Und die Leute öffnen sich dann auch. Man muss es eben vernünftig machen, auf einer persönlichen und vernünftigen Ebene. Und dann erfährt man vieles aus den Lebensumständen. Und dann muss man –  und mit einer gewissen Übung bekommt man das auch gut hin – das Passende anbieten. Und damit kann das ein Mega-Turbo werden.

Stephan: Ich fand das eine Beispiel mit dem Rentner ganz schön. Wenn man das praktisch greifbar macht, man stellt sich jetzt vor, er verkauft seine Immobilie und würde jetzt eine Einmalzahlung von zum Beispiel 50.000 Euro – was die Differenz zwischen seiner alten Hypothek und dem was er hat ist – erhalten und würde die irgendwo hinlegen.

Im Moment bekommt er dafür kein Geld, die Inflation steigt wieder, das Ganze frisst ihn auf. Eventuell muss er irgendwann noch Strafzinsen bezahlen, je nachdem wie hoch dieses Geld wird. Wir hatten auch noch gar nicht über ein anderes Thema gesprochen, mit Vorfälligkeit, da kommen wir nachher nochmal dazu.

Und jetzt eine Alternative. Pass auf, Du bekommst nicht 50.000 Euro, sondern wir nehmen diese 50.000 Euro und verzinsen diese um drei Prozent. Inflation haben wir offiziell zwei Prozent. Da bist Du ein Prozent drüber. Also bist Du schonmal definitiv besser als alles was irgendwie mit Kunden zu tun hat.

Jeden Monat kommt dieses Geld, was dadurch abgesichert ist, auf Dein Konto. Deine Rente ist aufgebessert, Du bist planbar. Es kann nicht auf einmal verschwinden oder sowas. Gerade für solche Menschen sehe ich das als durchaus praktikable Lösung, wenn man bedenkt, was auch sonst so momentan an Konstrukten gebaut wird, mit Dauerrenten und sowas. Und Kauf auf Rentenbasis, und Erbpachten. Ist definitiv eine Alternative, die ich auch sehr lukrativ finde.

Also, wie Du es angesprochen hast, das Wichtigste ist, das Gegenüber wirklich zu verstehen, und sich in ihn hineinversetzen zu können. Dann die möglichst beste Win-Win-Situation für alle Beteiligten zu schaffen. Denn wenn man einander Mehrwert bietet, ist das gerade das, worauf es ankommt. Und dann macht das Investieren auch extrem viel Spaß. Erster Anhaltspunkt um herauszufinden, was überhaupt möglich ist, ist natürlich das Grundbuch.

Denn darin ist zu sehen, welche Verpflichtungen eigentlich bestehen. Wenn da kein Kredit mehr drin ist, dann weiß ich, dass die Immobilie frei ist, und dann habe ich einen relativ großen Spielraum. Oder wenn ich sehe, das ist noch eine 80.000 D-Mark-Immobilie, die heute für 150.000 Euro verkauft wird, da weiß ich auch, dass da Spielraum drin ist. Weil die Immobilie so alt ist, wie Du gesagt hast. Gerade bei älteren Herrschaften sind die Immobilien ja sehr lange im Bestand.

Deutschland ist ja das Land der Immobilienhalter. Im Gegensatz zu den USA. Sonst gibt es nicht Besseres als Fragen. Immer daran denken, wer fragt, der führt. Bring Dein Gegenüber durch Fragen dazu, dass er herausfindet ob es für ihn sinnvoll ist oder nicht. Dann macht er das auch mit. Oder wie siehst Du das, Thomas?

Thomas: Definitiv. Vielleicht ein Hinweis: Wenn die Immobilie lange im Eigentum der Verkäufer ist, dann hat er die Immobilie vielleicht vor dreißig, vierzig, fünfzig Jahren finanziert und da ist wahrscheinlich das Darlehen abbezahlt. Jetzt kann das Darlehen im Grundbuch gelöscht sein, oder auch nicht. Da müssen wir ein bisschen aufpassen, denn da steht vielleicht noch eine große Grundschuld drin.

Aber das ist nur die Grundschuld, die ist vielleicht leer. Das heißt, das dahinterstehende Darlehen ist schon komplett getilgt. Also das heißt nicht zwingend, dass wenn da noch eine hohe Grundschuld drinsteht, dass das auch eine hohe Grundschuld ist. Also dass das dahinterstehende Darlehensvaluta darin noch hoch ist. Es gibt immer zwei Dinge: Grundschuld und tatsächliche Darlehensvaluta, da muss man aufpassen.

Wenn der zeitliche Abstand groß ist, die Grundschuld ist vor dreißig Jahren vielleicht noch in D-Mark eingetragen worden, dann kann man davon ausgehen – wenn es nicht wieder aufvalutiert wurde, was wir Investoren gerne tun übrigens, aber private Leute machen das eher selten. Da ist es dann wahrscheinlich durchaus abbezahlt. Aber man sollte das immer hinterfragen, das ist wichtig. Also, es ist hier wichtig einfach zu sagen, dass man den Leuten das erklären muss. Wie soll man da sonst vorankommen? Es ist einfach so, dass der gemeine Verbraucher das nicht kennt.

Und was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Das musst Du dem einfach schonend und seriös erklären. Seriös ist der Punkt und das ist wichtig. Und wenn er es verstanden hat und Du auch glaubhaft darlegen konntest, dass es seriös ist… Also die größten Vorbehalte ist die Angst vor dem Unbekannten. Aber wenn Du diese Angst auflösen kannst… Wie machst Du das? Mit Charme und Charisma natürlich. Und Ehrlichkeit. Dann kannst Du da vieles gestalten und machen.

Stephan: Leider nicht immer. Ich hab selbst so ein Beispiel zu dem Thema was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Ich hatte ja eine Wohnung gekauft, und da gab es genau dieses Problem. Ich hatte versucht, eine Verkäuferfinanzierung zu bewerkstelligen, was für mich sehr lukrativ gewesen wäre, und der Makler hat schon gesagt:

„Nein, das wird wahrscheinlich nichts werden, der ist sehr konservativ, das kennt er nicht, und er möchte lieber Geld haben.“ Im Endeffekt war es auch so, dass er sich da nicht drauf eingelassen hat. Ich war damals leider auch nicht direkt im persönlichen Kontakt mit ihm, sondern nur mit dem Makler. Das macht es ein bisschen schwieriger. Versucht also direkt an die Leute ranzukommen.

Worauf ich aber hinauswill: hätte er es doch bloß gemacht. Warum? Ich hab später erfahren, dass er hat den Kaufpreis bekommen hat, ich hatte dadurch eine etwas schlechtere Finanzierung. Also für mich war es schlecht, und für ihn war es noch schlechter. Denn aufgrund der Vorfälligkeit, die er hatte, hat er noch 3000 Euro zusätzlich bezahlen müssen, obwohl er seine Immobilie verkauft hat.

Das habe ich erst im Nachhinein erfahren. Dann stehst Du da und siehst, jetzt haben beide verloren. Da schlägst Du eigentlich den Kopf nur noch gegen die Wand. Für mich war der Deal trotzdem gut, die Immobilie wirft einen guten Cashflow ab. Aber das tat mir in dem Moment leid für den Verkäufer, weil das nicht hätte sein müssen. Man hätte einen Deal kreieren können, der zum Beispiel auch an Zeiträume gebunden ist.

Dass man sagt, okay, wir machen eine Verkäuferfinanzierung über einen bestimmten Zeitraum, wie lange geht denn jetzt Deine Finanzierung noch? Ach, noch sieben Jahre. Okay, Verkäuferfinanzierung über sieben Jahre, bis dahin zahle ich die Rate, Du stehst im Nachrangdarlehen. Er wäre sogar Besitzer geblieben, er hätte nicht in den Nachrang gemusst oder sowas. Da gibt es noch Lease-Kauf-Optionen und sowas, ich pack das jetzt mal alles in einen Hut zusammen. Da wären so viele Sachen möglich gewesen, dass er jeden Monat Geld verdient hätte, keine Vorfälligkeit gezahlt hätte.

Die Bank hätte ihr Geld bekommen, er hätte sein Geld bekommen, ich hätte eine Top-Finanzierung gehabt und hätte noch mehr Geld verdient aufgrund dessen, dass ich die Immobilie sowieso entwickeln wollte. Und es hätten alle gewonnen. Und im Endeffekt war es nachher so, ich hab gesagt, okay, der Deal ist trotzdem gut, aber er hat nur verloren. Und das tat mir echt leid. Von daher, ab und zu müsst ihr die Leute vor dem schlechten Deal beschützen.

Und das ist wieder das, worüber wir auch in den letzten Folgen gesprochen haben. Von wegen, der Investor ist der Böse, der ihn ausnehmen will. Nein, ich hätte ihm noch etwas viel Besseres geboten. Aber er wollte es nicht, weil er es nicht kannte.

Thomas: Ja, das erlebe ich auch öfter. Vielleicht noch ganz kurz zurück zu Deinen Sätzen davor. Mach Dir jetzt als Hörer nicht so viele Gedanken darum, was man alles hätte machen können. Es geht nur darum, dass man alles mögliche hätte machen können.

Wie man das dann ganz genau strukturiert, das ist dann eine ganz andere Baustelle. Aber es ist vieles möglich in Einvernehmlichkeit, und es wäre definitiv sehr leicht möglich gewesen, dass natürlich der Verkäufer auch noch Geld bekommen hätte, statt Geld zu bezahlen. Stephan hätte auch noch besser dagestanden. Also wäre es wirklich für beide besser gewesen, so wie das hier aussieht.

Man muss nur gleichzeitig an einem Strang ziehen. Aber wenn er es nicht versteht. Es nicht immer durchsetzbar, da darf man sich nicht grämen. Es ist einfach so, es ist blöd, es ist sackblöd, und da muss man sich einfach drauf einstellen und das dann auch irgendwann akzeptieren. Also bloß nicht die Leute penetrieren und zu sowas drängen. Das hilft nicht. Einfach nicht entmutigen lassen, und wenn es mal nicht klappt, na dann probiert man es mit Geduld beim nächsten Deal, ganz einfach.

Stephan: Ganz genau, Thomas, Gesetz der Zahlen, wie man sagt. Man muss auch sagen, irgendwann bist Du für Dich selbst verantwortlich. In Deutschland ist es so, dass die Leute noch ungern über Geld reden, das ist sowas, darüber spricht man nicht. Ist halt schwierig, das Thema. Hätte ich diese Info gehabt, hätte ich agieren können.

Ich habe sie erst im Nachhinein durch Zufall erfahren. Das ist eben doof. Daran kannst Du nichts machen. Denk dann auch irgendwann an Dich. Du versuchst immer das Beste. Und wenn es mal nicht klappt, dann ist das auch kein Beinbruch. Es geht weiter. Ansonsten, diese Verkäuferfinanzierung an sich ist ein super interessantes alternatives Werkzeug, was ich jetzt in meinem Werkzeugkoffer habe, was ich jederzeit benutzen kann.

Und wenn ich den Drehschlüssel habe und dann die passende Mutter finde, kann ich damit arbeiten. Und wenn ich einen Nagel habe, dann komme ich damit nicht weiter, dann muss ich eben etwas anderes nehmen. Also Thomas, ich sag mal so, die Zeit schreitet schon wieder unheimlich voran. War unheimlich interessant, das Thema, was hatten wir denn heute jetzt alles? Und zur Verkäuferfinanzierung hast Du bestimmt einen guten Action-Tipp?

Thomas: Ja, vielleicht ganz kurz. Wir hatten ja am Anfang über die Vorraussetzungen gesprochen. Das heißt, wann ist es wann ist es sinnvoll, über so eine Verkäuferfinanzierung überhaupt nachzudenken? Sprich, ist der Verkäufer bereit dazu und was steht im Grundbuch drin usw.

Vor- und Nachteile hatten wir ja besprochen. Größter Nachteil ist mit Sicherheit die Akzeptanz, und die Vorteile natürlich die Bank auszuschalten um flexibel finanzieren zu können, ohne riesengroßen komplizierten Vertragswert. Ein weiterer Vorteil ist das Thema Kreditwürdigkeit, Schufa und dergleichen, was dann natürlich mächtig hilft. Das ist natürlich all das, was diese Geschichten schmackhaft machen.

Jetzt kann man als Action-Tipp geben: Du hattest es ja vorhin eigentlich schon gesagt, Stephan, frag einfach bei der nächsten Verhandlung: „Wofür brauchen Sie das Geld?“, „Was wollen Sie damit machen?“, „Wollen Sie selbst eine Bank sein?“. Einfach mal fragen, vielleicht das Letzte nicht wörtlich, aber was sie vorhaben, was ihre Planungen sind usw. Und dann kann man überlegen. Die einen erzählen das, die anderen nicht.

Natürlich nicht gleich am Anfang fragen, weil es eine sehr persönliche Frage ist. Gerade in Deutschland, Stephan, Du sagest es ja. Sondern einfach ein bisschen warm werden und dann später fragen, was denn ihre Pläne sind und dergleichen, und dann fällt Dir ja etwas dazu auf. Natürlich kann man schon vorher beim Makler abklopfen, was das für ein Verkäufer ist und warum er verkauft, wie flexibel er ist, und was für ein Typ Mensch das ist.

Habt ihr vielleicht schon andere Deals gemacht usw. Und wenn man diese Informationen gesammelt hat, dann kann in das Thema Anbieten umschwenken. Dann kann man sagen, schonmal drüber nachgedacht, dass man einen Deal bauen kann, der ein bisschen kreativer ist. Und dann kann man mal hören und dann einfach das Thema Verkäuferfinanzierung auch direkt ansprechen. So kann man da ganz gut rangehen. Einfach in den Gesprächen mit den Verkäufern darüber reden. Und da schreckt man die Leute auch nicht damit ab, wenn man das schrittweise macht.

Und auch keine Angst, da geht einem auch kein Deal verloren deswegen. Wenn man denkt, der Immobilienmarkt ist umkämpft und dergleichen, und sowas dann nicht fragt. Hab ich selbst schon solche Überlegungen gehabt, aber eigentlich muss man immer fragen. Das bringt am Ende nur Vorteile. Und in dem Sinne, einfach tun.

Stephan: Toller Tipp, gerade was Du am Schluss gesagt hattest, von wegen in dem Markt. Wenn man sich das Ganze mal vor Augen führt, eventuell ist es ja sogar möglich, einen höheren Kaufpreis zu bezahlen, was euch überhaupt wieder in die Lage versetzt, diese Immobilie zu bekommen und trotzdem einen tollen Cashflow zu haben.

Thomas: Lass mich da nochmal ganz kurz einsteigen. Ich hab da eine Erfahrung in den USA gesammelt. Definitiv ja. Man handelt einen Preis aus, und dann kann man am Ende sagen, ich kann Dir 10.000 oder 20.000 Euro mehr bieten, wenn Du mit mir eine Verkäuferfinanzierung machst.

Und dann kannst Du ja sogar sagen, teils-teils usw. Das heißt, er bekommt einen gewissen Betrag von der Bank und der Rest ist verkäuferfinanziert. Und in vielen Fällen wissen die Leute gar nicht wohin mit ihrem Geld. Und dann sehen sie noch, okay, sie bekommen mehr und haben aber gleichzeitig ein Investment, nämlich das Darlehen.

Also definitiv ja. Eine höhere, das ist viel Geld wert, einfach einen höheren oder zwei Kaufpreise anzubieten. Und den verkäuferfinanzierten natürlich höher setzen, denn das ist Dir als Investor vieles wert, weil das Deine Ressourcen sind. Du bekommst auf diesem Weg vielleicht Deine 110- oder 120-Prozent-Finanzierung hin, definitiv ja.

Stephan: Man sieht also, strategisch unwahrscheinlich viel möglich mit dem Ganzen. Eigentlich ist der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Ja Thomas, ich würde sagen, hier war unheimlich viel drin an Informationen, die Du da draußen jetzt direkt anwenden kannst. Also, kleiner Tipp noch von mir, die Shownotes findest Du wie immer unter www.immopreneur.de/p35, diesmal für die 35. Folge.

Wir haben diesmal den Link zu dem Thema Verkäuferdarlehen reingehauen, nochmal erklärt auf Wikipedia. Also da auch nochmal zum Nachlesen. Aber, was viel interessanter wäre, diesen Podcast hier einfach nochmal von vorne anzuhören. Und nachdem man das gemacht hat, auch nochmal auf iTunes zu bewerten.

Von meiner Seite aus wäre es das gewesen. Thomas, ich bedanke mich wieder ganz herzlich. Die letzten Worte gehören wie immer Dir, und ich sag tschüss, bis zum nächsten Mal, ich bin raus, bis dann! Tschüss!

Thomas: Ja, da brauch ich gar nicht mehr viel sagen. Dir Stephan auch vielen Dank für das nette Gespräch, Dir lieber Hörer für Deine Zeit. Und gerne bis bald!